Ich bin ein Blogwichtel :)

Wie jedes Jahr gibt es auch 2016 im texttreff das „Blogwichteln“, bei dem wir Netzwerkkolleginnen einander mit Blogbeiträgen beschenken, und in diesem Jahr wurden Katja Rosenbohm und ich uns gegenseitig zugelost (hat es das eigentlich schon mal gegeben?). Mein Beitrag „Lektorat ist nicht gleich Lektorat“ ist nun auf Die Orthogräfin|Das (auch: der) Blog; zu finden, bitte hier entlang:

http://blog.die-orthograefin.de/blogwichteln-2016-lektorat-ist-nicht-gleich-lektorat/

Blogwichteln 2016: Zum Wandel der Sprache

Im Zuge der Blogwichtelaktion im texttreff wurde ich von meiner Kollegin Katja Rosenbohm mit folgendem Beitrag beschenkt, für den ich mich noch herzlich bedanken möchte (ich hatte die Einleitung beim Veröffentlichen letzte Woche sträflicherweise vergessen – man möge es mir bitte verzeihen).


„Come in and find out“[1] – zum Wandel der Sprache

Es gibt viele verschiedene Arten von Sprache, allein der Duden zählt an die fünfzig Arten auf: von der Alltagssprache über die Fachsprache bis hin zur Sportsprache. Neue Begriffe kommen hinzu, andere werden abgelöst, eine lebende Sprache befindet sich eben immer im Wandel. Für mich als Lektorin und Texterin gehört Sprache zum Handwerkszeug, ich habe tagtäglich mit ihr zu tun.

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Warum nicht „Mittags wieder geöffnet“? – Foto:Katja Rosenbohm

Wir wissen: Wenn Sprache aufhört sich zu verändern und anzupassen, ist sie irgendwann keine lebende Sprache mehr. Aber gerade der Einfluss aus dem englischsprachigen Raum auf die deutsche Sprache lässt viele Emotionen aufkommen. Doch was genau sind eigentlich Anglizismen?

Anglizismen

Unter dem Begriff Anglizismus versteht man zunächst einmal Wörter, Wortgruppen, Wortbestandteile oder ganze Sätze, die aus dem Englischen ins Deutsche übernommen wurden. Diese Übernahmen können den Wortschatz, die Wortbildung oder den Satzbau betreffen.

Übernahmen aus dem Englischen (oder einer anderen Sprache) sind zunächst einmal grundsätzlich möglich, manchmal sogar notwendig, etwa wenn es noch kein deutsches Wort für einen Begriff gibt. Eine Alternative dazu wäre, ein neues deutsches Wort für den Begriff zu finden. Oft werden jedoch Konstruktionen übernommen, für die es im Deutschen ein entsprechendes Wort gibt. Ein Fall, der in Wirtschaftstexten besonders häufig auftritt, ist die Verwendung der aus dem englischsprachigen Raum stammenden Fügung „in + Jahreszahl“. Im Deutschen dagegen gilt die Jahreszahl ohne Präposition oder die Fügung „im Jahre + Jahreszahl“ als standardsprachlich korrekt.

Beispiele:

In 2015 erhielten die Mitarbeiterinnen einen Bonus in Höhe von 250 Euro. (Falsch)
Im Jahre 2015 erhielten die Mitarbeiterinnen einen Bonus in Höhe von 250 Euro. Oder: 2015 erhielten die Mitarbeiterinnen einen Bonus in Höhe von 250 Euro. (Beides richtig)

Ebenso falsch ist die wortwörtliche Übersetzung von „rollout“ als „das Ausrollen“ oder aber die Übernahme des Begriffs „Rollout“. Darauf stößt man vor allem in Unternehmenstexten. Korrekterweise würde man hier im Deutschen (je nach inhaltlichem Schwerpunkt) von einer Markteinführung oder einfach nur einer Einführung sprechen.

Scheinanglizismen

Scheinanglizismen sind Begriffe, die vom Klang her aus dem Englischen stammen, es aber in Wirklichkeit nicht sind. Sie hören sich nur so an.

Beispiele:

Ein Mobiltelefon wird im Deutschen auch als Handy bezeichnet. Auf Englisch nennt man Mobiltelefone dagegen „mobile phones“ oder „cellular phones“, niemals würden Briten und Amerikaner dazu Handy sagen.

Als Bodybags werden in Deutschland inzwischen Rucksäcke bezeichnet. Etwas makaber, denn im Englischen versteht man unter „body bags“ Leichensäcke. Noch schräger wird es, wenn man erfährt, dass es im Englischen kein eigenes Wort für Rucksack gibt und deshalb das deutsche Wort auch im Englischen verwendet wird.

Was ist also dran am Sprachverfall?

Wir können festhalten, dass in der Vergangenheit immer dann das deutsche Wort verwendet worden ist, wenn es für eine bestimmte Sache einen deutschen Begriff gab. Heute nehmen wir für solche Fälle nicht mehr so gern ein deutsches Wort. Besonders schön zu sehen ist das beim „Winter- und Sommerschlussverkauf“, die einfach vom „Sale“ abgelöst wurden. Die Veränderung liegt wohl darin begründet, dass Englisch immer mehr zur Weltsprache geworden ist und besonders in Deutschland sehr beliebt ist.

PR-Abteilungen und -Agenturen schreiben Werbetexte, die mithilfe der englischen Begriffe dynamischer, weltoffener und moderner klingen sollen. Mit der Intension, dass die Produkte einen „coolen Touch“ erhalten und sich in der Folge besser verkaufen. So schleichen sich englische oder englischklingende Wörter in unseren Alltag ein, die die deutsche Sprache im Grunde überhaupt nicht bräuchte. Gerade hier sind wir als Lektorinnen und Lektoren gefragt (wenn wir denn gefragt werden): aufzeigen, wenn falsches Deutsch verwendet wird und alternative Vorschläge unterbreiten, wenn es der Zielgruppe gerecht wird.

Über die Autorin

Gastautorin Katja Rosenbohm_Die Orthograefin_2016.jpg

Katja Rosenbohm alias „Die Orthogräfin“ lektoriert und textet freiberuflich für Unternehmen. Außerdem bloggt sie über sprachliche Alltagsfundstücke und Themen rund ums Lektorat und das Texten.

Website: www.die-orthograefin.de

Blog: blog.die-orthograefin.de

[1] Werbung der Parfümeriekette Douglas

Ich bin ein Blogwichtel

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Über die Blogwichtel-Aktion im Netzwerk texttreff habe ich ja schon berichtet, und ich wurde nicht nur beschenkt, sondern habe auch selbst etwas für meine Kollegin Christine Hutterer auf ihrem Blog »Ist das jetzt der Urlaub?« geschrieben, die sich ein Computerspiel über das Wandern von mir gewünscht hat:

Wandern – The Game

Der erste Schritt ist wie bei fast jedem Computerspiel: Ich bastele mir einen Charakter. Männlich oder weiblich, groß, klein, dick, dünn, Gesichtsfeintuning, Haarfarbe usw. Sobald ich zufrieden bin und meinem Charakter einen Namen gegeben habe, kann es losgehen.

Der Anfang: Wie üblich beginnt mein kleiner Charakter auf Level 1 in einem kleinen Dorf. Er kann nichts und hat nichts, und das muss sich natürlich ändern, denn das große Ziel dieses Spiels ist es, sich Ausrüstung zu besorgen und die große Wanderung anzugehen.

Also mache ich mich auf, besuche die Dorfbewohner und versuche, einige Questen an Land zu ziehen. Bauer Harding hat ein Rattenproblem, und die Tierchen sind glücklicherweise nicht so zäh, dass ich sie mit bloßen Händen erledigen kann. Freundlicherweise droppen sie dabei auch noch Rattenfell, das ich in mein Inventar stecke. Vom Bauern bekomme ich zur Belohnung etwas Handgeld.

Weiter geht’s zum Schäfer Otto …

Weiterlesen hier: http://ist-das-jetzt-der-urlaub.de/wandern-virtuell-blogwichtel-2015/#more-1328

Blogwichteln 2015: Kleiner Comic ohne Bilder

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Wie jedes Jahr wird auch 2015 im texttreff das Blogwichteln veranstaltet, und meine liebe Kollegin Maria Al-Mana vom Unruhewerk hat mich mit folgender Geschichte beschenkt. Herzlichen Dank!

Kleiner Comic ohne Bilder

Gewichtel von Maria (www.unruhewerk.de) für Kerstin Fricke

Kratz kratz kratz. Charlotte kratzt an meinem Stuhlbein. Wie Morsezeichen.

Kratz kratz. Und ein intensiver Blick aus großen, schwarzen Augen. Kratz!

Charlotte ist drei Jahre alt. Und mein Hund.

Kratz kratz! Guck. Flehende, ganz feuchte Augen.

Ich weiß genau, was Charlotte will. Es ist nämlich Zeit.

Kratz! Wie mit Ausrufezeichen. „Los!“

Snoopy würde das seinen Magenwecker nennen.

Vorwurfsvoller Blick. Kratz, kratz, kratzkratzkratz!

Snoopy ist ein Beagle. Dieser Blick! Charlotte ist ein Puggle. Snoopy ist schlau. Und könnte immer fressen. Charlotte ist auch schlau. Und kann immer fressen.

Im Herbst schlägt Charlotte auf dem Feld sich den Bauch so mit Zuckerrüben voll, dass sie ganz träge wird.

Snoopy hat einen Magenwecker. Und der bimmelt erbarmungslos. Immer zur gleichen Zeit.

Charlotte fiept inzwischen. Ich weiß, was das heißt: „Ich will fressen! Sofort! Sonst sterbe ich!“

Kratz Kratz Kratz. Sie gibt mir Befehle. „Los!“ Ich sehe mich als Kellnerin, die Schwester von Charlie Brown, der sich in Windeseile das Handtuch über den Arm schmeißt. Um seinen Hund möglichst stilecht zu bedienen. Manchmal ganz unterwürfig: „biddäsäähr, der Herr!“

Fiep fiep fiep fiep. Kratz!

Ich sehe sie streng an. Sage: „Geduld! Ich muss den Text hier nur noch zu Ende schreiben.“

Charlotte verzieht sich beleidigt. Ins Bett. Unser Bett. Das Bett der Erwachsenen. Sie schmollt. Ich höre: beleidigte Stille.

Snoopy ist auch oft beleidigt. Wenn es nicht schnell genug geht. Wenn das falsche Essen serviert wird.

Wenn Snoopys Magenwecker klingelt, verlangt er schon mal nach Blätterteighörnchen mit Traubengelee. Kennt Charlotte noch nicht. Ein Glück! Aber wenn sie zu viele Rüben gefressen hat, kriegt sie Durchfall. Dann gibt’s als nächste Mahlzeit nur noch Haferflocken. Die feinen, schmelzenden. Da sitzt mein Hund, der sonst alles in Windeseile auffrisst, vor dem Fressnapf. Guckt mich an, von unten nach oben. Mit einem Blick, so vorwurfsvoll, dass ich mich in Grund und Boden schäme. Sie frisst nicht!!! Sekundenlang. Große, enttäuschte Augen. Zielgenau auf mein Herz gerichtet. Und sie denkt – ich weiß es genau! -: „Wenn ich jetzt wüsste, was das heißt, würde ich Blätterteighörnchen mit Traubengelee bestellen. Und würde es sofort bekommen!“

Stimmt genau. Ich weiß das alles. Verfluche meinen Job als Kellnerin. Als Vernünftige. „Du hast Durchfall, Hund! Das muss aufhören! Haferflocken sind gut für dich.“ Doch sie, sie guckt nur. Quälend lang. Bis sie endlich frisst. Ungnädig. Mit langen Zähnen. Schlabber schlabber, voller Verachtung. Jetzt guckt sie mich gar nicht mehr an. Macht Snoopy auch so. Oft. Leerer Blick in die Luft. Dann ist der Mensch Luft für den Hund. Und der Mensch fühlt sich schlecht. Sofort. Schrecklich schlecht.

So wie ich jetzt. Vorsichtiger Blick zum Bett: keine Regung.

Es geschieht, was geschehen muss: Ich fühle mich schlecht. Seufzend verlasse ich den Schreibtisch. Klappere mit Fressnapf und Hundefutterbox. Keine Regung. Hunde können ja soooo beleidigt sein!

Fülle Futter in Fressnapf. Laut.

Endlich trappeln Pfötchen über Laminat. Gnädig wird gefressen. Sind diesmal ja auch gar keine Haferflocken. Ganz normales Futter. Alltäglich. Vermutlich langweilig. Kein Blick zum Menschen, kein Freudentänzchen. Ungnädig. Sehr ungnädig.

Kaum ist der Napf leer, bettet sich der Hund aufs Sofa, ruckelt es sich zurecht, mit Mulden und viel Gekratze. Ich guck ihr zu und denke: „Hab ich ein Glück!“ Snoopy schläft nämlich auch schon mal mitten auf dem kahlen Schädel von Charlie Brown. Aber Snoopy ist ja auch ein Beagle. Und mein Kopf nicht ganz so rund wie der von Charlie Brown.

Puggles sind nur halbe Beagle. Gott sei Dank. Sonst würde sich Charlotte morgen vielleicht eine Fliegerkappe aufsetzen. Würde ihr sehr gut stehen, ja: Wär glatt unwiderstehlich! Dann würde sie fliegen wollen. Und die Kellnerin müsste ihren Hund zum nächsten Hundeflugplatz chauffieren – was denn sonst? Beagle sind unwiderstehlich. Halbe Beagle nicht weniger.

Pug steht übrigens für Mops. Ja: Charlottes Vater ist ein schwarzer Mops. Was Snoopy vermutlich vor schwere philosophische Probleme stellen würde…..

Jetzt schläft Charlotte. Und sieht sooo unschuldig aus. Unwiderstehlich!


Wer ist eigentlich Maria Al-Mana? Mit ihren eigenen Worten:maria

Ich bin die Erfinderin und Autorin des Unruhewerks. Habe neben Germanistik auch Philosophie und Geschichte studiert (Magister Artium). Text ist einfach MEIN Ding. Und Geschichten-Erzählen eine meiner Leidenschaften.

Was mich unter anderem stark geprägt hat, sind die „Lach- und Sachgeschichten“ aus der Sendung mit der Maus… Diese Art zu fragen, die Welt zu sehen und ganz konkret be-greifen zu wollen – das macht mich aus. Die Neugierde auf Menschen und alles, was sie so tun, auf Dinge und wie sie entstehen, auf Zusammenhänge und überraschende Ein-Blicke – das ist meine Welt. Der bleib ich treu.

Blogwichteln, Teil 2

ttbw_buttonIm Zuge der Blogwichtelaktion im Texttreff wurde ich von meiner Kollegin Elke H. Speidel mit einem wortspielerischen Märchen beschenkt. 🙂

Das Wort, das vor dem Anfang war
Oder: Wie sich aus Buchstaben die Welt ersinnen lässt

Es war einmal ein kleines Wort, und das Wort war nicht bei bei Gott, und Gott war nicht das Wort, weil es lange vor dem Anfang war. Das Wort war zu klein, um gelassen ausgesprochen zu werden. Es war so klein, dass es lieber ausgelassen herumtollen wollte, mit all den vielen noch kleineren Buchstaben und Lauten um es herum, die darauf warteten, dass jemand käme, um aus ihnen Wörter zu ersinnen.
Das Ausgelassensein fiel dem Wort nicht schwer, denn zu der Zeit hatte sich noch kein Wort auf eine Satzstruktur oder eine grammatikalische Regel eingelassen. Wie Schneeflocken geisterten Punkte und Doppelpunkte, Komma- und Bindestriche, Ausrufe- und Fragezeichen auf ihrer allerersten Litera-Tour durchs Dunkel des Nichtssagens, umgeben von sorgfältig gemalten Schriftzeichen aller Größen, Farben und Definitionen, von Akzenthäkchen, Tilden und Ziffersymbolen.
Weil auch die Laute damals noch keine Buchstabenpartner gefunden hatten, klirrten und tönten, brummten und summten sie frei zwischen den Zeichen herum, fügten sich kurz zu Melodieansätzen aneinander oder sammelten sich für einen Augenblick zu Akkorden, ehe sie wieder auseinanderdrifteten, um sich mit den unpassendsten Buchstaben zu einem Reigen zu vereinen, wie es junges, unverständiges Volk gern zu tun pflegt. Das kleine Wort hörte ihnen zu und erfreute sich eine Weile an ihrem losen Durcheinander, denn es hatte nichts zu tun, als auf den Anfang zu warten.
Es hatte Angst vor diesem Anfang, denn aller Anfang, das wusste es, war schwer. Und schwere Sachen mochte das kleine Wort nicht. Schwere Sachen lagen einem im Magen wie Steine und drückten einem auf den Leichtmut, bis er schwer wurde wie sie. Wenn sie fällig wurden, die schweren Sachen, war es aus mit dem schwerelosen Schweben zwischen Sinn und Unsinn, das für ein ausgelassenes Wort der Inbegriff des Frohsinns war.
Aber das Warten auf den Anfang dauerte lange, lange, lange, und irgendwann begann das kleine Wort, sich sehr allein zu fühlen zwischen dem sinnlosen Tönen und Tanzen der Laute und Buchstaben. So machte es sich auf die Suche nach einem anderen Wort, einem kleinen oder einem großen, das war ihm egal, nur Sinn sollte es tragen. Denn Tragenkönnen war wichtig, wenn man sich vom schweren Anfang nicht ganz erdrücken lassen wollte. Schließlich trug das kleine Wort selbst einen Sinn, wenn ich auch nicht sagen kann, welcher das war, weil es mich damals, vor dem Anfang, nicht gegeben hat.
Was es mit dem anderen Wort wollte, war dem kleinen Wort nicht klar. Vielleicht wollte es sich mit ihm zusammentun, um ein größeres Wort zu werden, vielleicht den ersten Zwei-Wort-Satz mit ihm bilden, vielleicht nebeneinander in einem dicken, fetten Wörterbuch wohnen, das Gleiche oder fast das Gleiche bedeutend und doch ganz anders klingend? Vielleicht wollte es sich mit ihm zusammen der Litera-Tour verschreiben oder wahlweise eine wichtige Liste anführen?
Wie auch immer — es fand kein anderes Wort, denn es gab noch keines. Wortlos wehten die Zeichen an ihm vorüber, wortlos rauschten die Laute durch den Blätterwald, von dem das kleine Wort nur träumen konnte, weil er mangels Sätzen und Absätzen, Seiten und Deckseiten nicht existierte. Traurig begann das kleine Wort, einzelne Zeichen anzusprechen. Aber sie antworteten ihm nicht, denn Zeichen ohne Laute sind nichts als Krikelkrakel, die keine Stimme haben.
Daher probierte es das kleine Wort lieber bei den Lauten.
„Du“, sagte es zu einem hart hallenden Klang. „Steht dir der Sinn danach, mit mir zusammen auf den Anfang zu warten? Denn der Anfang wird schwer, und vereint sind auch wir Schwachen mächtig!“
„Ah“, sagte der Klang, als wäre das eine guter Plan — aber mehr brachte er nicht zuwege. Immerhin war er jedoch neugierig geworden und trabte dem kleinen Wort artig hinterher.
„Du“, sagte das eine Weile später zu einem hohl vorüber orgelnden Ton, „Steht dir der Sinn danach, mit mir und dem klaren Ah zusammen auf den Anfang zu warten? Denn der Anfang wird schwer, und vereint sind auch wir Schwachen mächtig!“
„Oh“, sagte der Ton, und es klang froh, aber mehr brachte er nicht zuwege. Immerhin war er jedoch neugierig geworden und toste dem kleinen Wort und dem klaren Ah hinterher.
Gemeinsam sahen sie, dass gerade zwei Buchstaben mit einem Laut zusammenstießen.
„Wer seid ihr?“, fragte das kleine Wort.
„Ch,“ fauchten die drei. Es klang wie K.
„Steht euch der Sinn danach, mit uns zusammen auf den Anfang zu warten? Denn der Anfang wird schwer, und vereint sind auch wir Schwachen mächtig!“
„Ch“, machte der Klumpen, ohne näher darauf einzugehen. Aber er schloss sich dem kleinen Wort, dem klaren Ah und dem hohlen Oh einfach an, in allen Farben schillernd wie ein Chamäleon.
Unterwegs stießen sie auf die Buchstaben A und O, die sich freuten, ihre Laute gefunden zu haben, und so zogen sie in Zweierreihen weiter, das Ah und das A, das Oh und das O, das kleine Wort und der Ch-Klumpen, Ton-in-Ton.
Manchmal waren die einen vorne, manchmal die anderen, Aok, Ahohch, Oak, Ohahch, Koa, Chohah, Kao, Chahoh … Lustig klang das, und lustig sah es auch aus.
„Aber es trägt keinen Sinn“, sagte das kleine Wort traurig zu sich. „Das war es nicht, was ich wollte.“
„Sssssssss“, säuselte ein Sirren ihm entgegen, „ssssss!“
„Wer bist du denn?“, fragte das kleine Wort.
„Ssssssss“, säuselte das Sirren und gesellte sich wie selbstverständlich zu der suchenden Gruppe.
Bald fanden sie das passende Zeichen dazu, da es sich im Sirren verhakte und so signalisierte, dass es beim Suchen dabeisein wollte.
Aoks, Ahohchssssssss, Oaks, Ohahchssssssss, Koas, Chohahssssssss, Kaos, Chahohssssssss … CHAOS … CHAOS … CHAOS — die Buchstaben und Laute verhedderten sich unentwirrbar zu diesem Klangbild.
„Chaos! Das klingt nach einem neuen Wort!“ So rief das kleine Wort fröhlich. „Daraus lässt sich doch etwas machen!“
Und Gott schmunzelte zustimmend und ließ sie weiterreisen auf ihrer Litera-Tour, dem schweren Anfang entgegen, den er schließlich irgendwann mit einem Urknall startete.

Elke H. Speidel PorträtElke H. Speidel ist Journalistin, Soziologin und verfasst in ihrer Freizeit auch belletristische Texte. Volontiert hat sie 1979 bis 1981 beim Zeitungsverlag Waiblingen, seit 1988 ist sie als Fachjournalistin für technische Themen selbstständig. 2010 hat sie ihr Studium der Soziologie, Psychologie und Politikwissenschaft an der FernUniversität in Hagen als Magistra Artium abgeschlossen. Außerdem bietet sie Coaching für Privatpersonen (seit 2012) an und bloggt unter https://elkespeidel.wordpress.com

Blogwichteln, Teil 1

Im wundervollen Texttreff wurde auch dieses Jahr wieder geblogwichtelt, und ich habe bei meiner lieben Kollegin Henrike Doerr was über das Tempelhofer Feld geschrieben. Wenn ihr mal gucken wollt:

http://outdoortraum.blogspot.de/2014/12/blog-wichteln.html

Kommt gut ins neue Jahr, und falls ihr so viel Schnee habt, wie wir gerade, dann genießt die weiße Pracht! 🙂