Blogwichteln 2017

Im Zuge der diesjährigen Blogwichtelaktion im Texttreff wurde mir meine Übersetzerkollegin Maike Claußnitzer zugelost, die mir gleich drei tolle Buchtipps schenkt – vielen Dank dafür! 🙂


cover_rodriguez_huehnerdieb

Ein Blogwichtelbeitrag über gleich drei komplett wortlose Bücher ausgerechnet für die Wortspielerin – wie passt das zusammen?

Erstaunlich gut, denn wer ein Herz für Fantasy, Comics, Humor und einen spielerischen Umgang mit altvertrauten literarischen Motiven hat, wird bei Béatrice Rodriguez in ihrer Bilderbuchtrilogie um den Hühnerdieb fündig.
Band 1, Der Hühnerdieb, setzt trügerisch harmlos ein: In einem beschaulichen Haus am Waldrand leben ein Bär, ein Kaninchen und eine ganze Hühnerschar in schönster Eintracht. Doch dann raubt ein frecher Fuchs ausgerechnet beim gemütlichen Frühstück eines der Hühner. Bär, Kaninchen und Hahn brechen zur Rettung der entführten Henne auf, aber die mehrtägige Verfolgungsjagd quer durch alle möglichen Landschaften nimmt ein unerwartetes Ende.

Welches genau, soll hier natürlich noch nicht verraten werden, also nur so viel: Der Hahn ist mit dem Ausgang der Geschehnisse alles andere als zufrieden. Im zweiten Band, Das Zauberei, wird er allerdings dafür entschädigt, entdeckt er doch auf der gefahrvollen Heimreise ein ganz großartiges Spielzeug, das er gern für sich allein behalten möchte. Doch wie es mit magischen Gegenständen nun einmal so ist, steckt auch in diesem mehr, als man ihm auf den ersten Blick ansieht …

Wie es unterdessen der vom Hühnerdieb gestohlenen Henne ergeht, enthüllt Band 3, Das Hühnerglück. Eigentlich möchte man zunächst glauben, dass der Titel eher „Das Hühnerpech“ lauten sollte, denn was mit Hunger und aufgebrauchten Vorräten beginnt, steigert sich im Zuge eines Angelausflugs zum lebensgefährlichen Abenteuer, das kurz vor Schluss noch eine besonders dramatische Wendung zu nehmen droht.
Auf jeweils nur 24 Seiten beschwört Béatrice Rodriguez in lockeren, aber dennoch erstaunlich detailfreudigen Zeichnungen eine liebenswerte verzauberte Welt herauf, in der nicht nur sehr menschliche Tiere leben, sondern auch Fabelwesen ihren Auftritt haben und Speziesgrenzen einen ganz offensichtlich nicht daran hindern, äußerst niedlichen gemeinsamen Nachwuchs zu bekommen. Die herrliche Mimik der Figuren und lustige Einfälle am Rande (wie etwa der Krebs-Sidekick in Band 3) tun ein Übriges, das Betrachten der comicartig gereihten Szenen zum Hochgenuss zu machen.

Von der vom Verlag ausgesprochenen Altersempfehlung „ab 3 Jahren“ dürfen sich Erwachsene dabei nicht abschrecken lassen, denn die Betonung liegt eindeutig auf „ab“. Zu alt für die charmanten Geschichten kann man gar nicht werden, auch wenn man sie schon Kindern unbedenklich in die Hand geben kann (ganz zartbesaitete Kleine könnten sich in Band 3 allerdings hier und da etwas gruseln, da es im Kampf gegen ein bösartiges Monster schon recht handfest zur Sache geht).
Während die Jüngsten wohl vor allem die netten Bilder an sich und die schwungvolle Handlung mögen werden, liegt mit etwas Leseerfahrung ein zusätzlicher Reiz darin, wie hier augenzwinkernd gewohnte Erzählmuster aufgegriffen und dann genüsslich auf den Kopf gestellt werden. Die wilde Reise durch Wald, Gebirge und Höhlensysteme könnte ausformuliert auch in einem Roman ihren Platz finden, geht aber auf dem Hin- wie auf dem Rückweg anders aus als geplant, und auch gängige Geschlechterrollenklischees werden fröhlich unterlaufen. Eine werdende Mutter kann schließlich auch als zupackende Ernährerin der Familie in Szene gesetzt werden, während ein vermeintlicher Macho voll in seiner unerwartet übernommenen Vaterrolle aufgeht. Das alles ist so liebevoll und fabulierfreudig ausgemalt, dass man an mehr als einer Stelle schmunzeln muss und die Bücher gern auch noch ein zweites, drittes oder viertes Mal durchblättert.

Falls unter dem Weihnachtsbaum also noch ein Geschenk fehlt, das wirklich der kompletten Familie großen Spaß macht, kann mit einem oder mehreren der Hühnerdieb-Bände Abhilfe geschaffen werden.

Béatrice Rodriguez:

Der Hühnerdieb. Wuppertal, Peter Hammer Verlag, 3. Aufl. 2009, 24 Seiten.
ISBN: 9783779502029

Das Zauberei. Wuppertal, Peter Hammer Verlag, 2011, 24 Seiten
ISBN: 9783779503552

Das Hühnerglück. Wuppertal, Peter Hammer Verlag, 2012, 24 Seiten.
ISBN: 9783779503866

 


Maike Claußnitzer

 

Maike Claußnitzer ist freie Übersetzerin und Mediävistin. Neben Englisch und Französisch sind deshalb Latein und Mittelhochdeutsch für sie die schönsten Sprachen der Welt. Beim Lesen und Geschichtenschreiben hat sie ein Faible für historische Themen und Fantasy. Auf ardeija.de bloggt sie über Bücher

 

2 Gedanken zu “Blogwichteln 2017

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