Blogwichteln 2015: Kleiner Comic ohne Bilder

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Wie jedes Jahr wird auch 2015 im texttreff das Blogwichteln veranstaltet, und meine liebe Kollegin Maria Al-Mana vom Unruhewerk hat mich mit folgender Geschichte beschenkt. Herzlichen Dank!

Kleiner Comic ohne Bilder

Gewichtel von Maria (www.unruhewerk.de) für Kerstin Fricke

Kratz kratz kratz. Charlotte kratzt an meinem Stuhlbein. Wie Morsezeichen.

Kratz kratz. Und ein intensiver Blick aus großen, schwarzen Augen. Kratz!

Charlotte ist drei Jahre alt. Und mein Hund.

Kratz kratz! Guck. Flehende, ganz feuchte Augen.

Ich weiß genau, was Charlotte will. Es ist nämlich Zeit.

Kratz! Wie mit Ausrufezeichen. „Los!“

Snoopy würde das seinen Magenwecker nennen.

Vorwurfsvoller Blick. Kratz, kratz, kratzkratzkratz!

Snoopy ist ein Beagle. Dieser Blick! Charlotte ist ein Puggle. Snoopy ist schlau. Und könnte immer fressen. Charlotte ist auch schlau. Und kann immer fressen.

Im Herbst schlägt Charlotte auf dem Feld sich den Bauch so mit Zuckerrüben voll, dass sie ganz träge wird.

Snoopy hat einen Magenwecker. Und der bimmelt erbarmungslos. Immer zur gleichen Zeit.

Charlotte fiept inzwischen. Ich weiß, was das heißt: „Ich will fressen! Sofort! Sonst sterbe ich!“

Kratz Kratz Kratz. Sie gibt mir Befehle. „Los!“ Ich sehe mich als Kellnerin, die Schwester von Charlie Brown, der sich in Windeseile das Handtuch über den Arm schmeißt. Um seinen Hund möglichst stilecht zu bedienen. Manchmal ganz unterwürfig: „biddäsäähr, der Herr!“

Fiep fiep fiep fiep. Kratz!

Ich sehe sie streng an. Sage: „Geduld! Ich muss den Text hier nur noch zu Ende schreiben.“

Charlotte verzieht sich beleidigt. Ins Bett. Unser Bett. Das Bett der Erwachsenen. Sie schmollt. Ich höre: beleidigte Stille.

Snoopy ist auch oft beleidigt. Wenn es nicht schnell genug geht. Wenn das falsche Essen serviert wird.

Wenn Snoopys Magenwecker klingelt, verlangt er schon mal nach Blätterteighörnchen mit Traubengelee. Kennt Charlotte noch nicht. Ein Glück! Aber wenn sie zu viele Rüben gefressen hat, kriegt sie Durchfall. Dann gibt’s als nächste Mahlzeit nur noch Haferflocken. Die feinen, schmelzenden. Da sitzt mein Hund, der sonst alles in Windeseile auffrisst, vor dem Fressnapf. Guckt mich an, von unten nach oben. Mit einem Blick, so vorwurfsvoll, dass ich mich in Grund und Boden schäme. Sie frisst nicht!!! Sekundenlang. Große, enttäuschte Augen. Zielgenau auf mein Herz gerichtet. Und sie denkt – ich weiß es genau! -: „Wenn ich jetzt wüsste, was das heißt, würde ich Blätterteighörnchen mit Traubengelee bestellen. Und würde es sofort bekommen!“

Stimmt genau. Ich weiß das alles. Verfluche meinen Job als Kellnerin. Als Vernünftige. „Du hast Durchfall, Hund! Das muss aufhören! Haferflocken sind gut für dich.“ Doch sie, sie guckt nur. Quälend lang. Bis sie endlich frisst. Ungnädig. Mit langen Zähnen. Schlabber schlabber, voller Verachtung. Jetzt guckt sie mich gar nicht mehr an. Macht Snoopy auch so. Oft. Leerer Blick in die Luft. Dann ist der Mensch Luft für den Hund. Und der Mensch fühlt sich schlecht. Sofort. Schrecklich schlecht.

So wie ich jetzt. Vorsichtiger Blick zum Bett: keine Regung.

Es geschieht, was geschehen muss: Ich fühle mich schlecht. Seufzend verlasse ich den Schreibtisch. Klappere mit Fressnapf und Hundefutterbox. Keine Regung. Hunde können ja soooo beleidigt sein!

Fülle Futter in Fressnapf. Laut.

Endlich trappeln Pfötchen über Laminat. Gnädig wird gefressen. Sind diesmal ja auch gar keine Haferflocken. Ganz normales Futter. Alltäglich. Vermutlich langweilig. Kein Blick zum Menschen, kein Freudentänzchen. Ungnädig. Sehr ungnädig.

Kaum ist der Napf leer, bettet sich der Hund aufs Sofa, ruckelt es sich zurecht, mit Mulden und viel Gekratze. Ich guck ihr zu und denke: „Hab ich ein Glück!“ Snoopy schläft nämlich auch schon mal mitten auf dem kahlen Schädel von Charlie Brown. Aber Snoopy ist ja auch ein Beagle. Und mein Kopf nicht ganz so rund wie der von Charlie Brown.

Puggles sind nur halbe Beagle. Gott sei Dank. Sonst würde sich Charlotte morgen vielleicht eine Fliegerkappe aufsetzen. Würde ihr sehr gut stehen, ja: Wär glatt unwiderstehlich! Dann würde sie fliegen wollen. Und die Kellnerin müsste ihren Hund zum nächsten Hundeflugplatz chauffieren – was denn sonst? Beagle sind unwiderstehlich. Halbe Beagle nicht weniger.

Pug steht übrigens für Mops. Ja: Charlottes Vater ist ein schwarzer Mops. Was Snoopy vermutlich vor schwere philosophische Probleme stellen würde…..

Jetzt schläft Charlotte. Und sieht sooo unschuldig aus. Unwiderstehlich!


Wer ist eigentlich Maria Al-Mana? Mit ihren eigenen Worten:maria

Ich bin die Erfinderin und Autorin des Unruhewerks. Habe neben Germanistik auch Philosophie und Geschichte studiert (Magister Artium). Text ist einfach MEIN Ding. Und Geschichten-Erzählen eine meiner Leidenschaften.

Was mich unter anderem stark geprägt hat, sind die „Lach- und Sachgeschichten“ aus der Sendung mit der Maus… Diese Art zu fragen, die Welt zu sehen und ganz konkret be-greifen zu wollen – das macht mich aus. Die Neugierde auf Menschen und alles, was sie so tun, auf Dinge und wie sie entstehen, auf Zusammenhänge und überraschende Ein-Blicke – das ist meine Welt. Der bleib ich treu.

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