Wie wird eigentlich ein Roman übersetzt?

Parallel zu meiner Reihe über die Spieleübersetzungen möchte ich auch noch auf die Übersetzung von Romanen eingehen, die im Allgemeinen einem üblichen Muster folgt.

Alles beginnt damit, dass mich eine Verlagslektorin bzw. ein Lektor fragt, ob ich ein bestimmtes Buch übersetzen möchte. Meist schickt man mir gleich einen Link zum Buch oder das Manuskript mit, damit ich mir einen ersten Eindruck verschaffen kann. Sobald ich mich entschieden habe und das Buch sowie das Manuskript als Word- oder PDF-Datei vorliegen habe, kann es losgehen.

Einige meiner Kolleginnen und Kollegen lesen sich den ganzen Roman erst einmal durch, aber ich muss gestehen, dass ich einfach sofort anfange. Beim Übersetzen markiere ich mir fragliche Stellen, beispielsweise wenn mir nicht klar ist, ob sich Charaktere duzen oder siezen, mir nichts Peppiges für ein Wortspiel einfällt oder ich Begriffe gründlicher nachschlagen muss, weil ich beim Googeln nicht auf Anhieb eine Lösung finde und erst einmal weitertippen möchte. Oftmals klären sich Dinge ja schon später im Buch oder man hat unter der Dusche oder beim Kochen eine zündende Idee …

Wenn die „Rohübersetzung“ steht, geht es ans Feintuning, was bedeutet, dass ich mir die ganze Übersetzung noch einmal vorknöpfe und durchgehe. Danach sind im Allgemeinen auch alle Unklarheiten beseitigt und ich lese das komplette Manuskript noch ein weiteres Mal ohne den Ausgangstext, um zu sehen, ob die Übersetzung an einigen Stellen noch holprig ist. (Diese Schritte werden auch gern mal abgekürzt, wenn es pressiert und die Zeit knapp wird … :-/)

Dann naht auch schon die Deadline und die Übersetzung geht ins Lektorat. Bei einigen Verlagen bekomme ich das überarbeitete Manuskript nach dem Lektorat und manchmal auch noch mal nach dem Korrektorat erneut auf den Tisch, um die Änderungen anzunehmen oder abzulehnen. Ist das alles erledigt, kommt gelegentlich noch die Fahnenkorrektur (was wiederum nur bei einigen Verlagen der Fall ist) und meine Arbeit ist abgeschlossen.

Irgendwann erscheint dann das Buch und ich freue mich über meine Belegexemplare und hoffentlich auch gute Rezensionen. 🙂

2 Gedanken zu “Wie wird eigentlich ein Roman übersetzt?

  1. […] Wie wird eigentlich ein Roman übersetzt? – Übersetzerin Kerstin Fricke (die auch phantastische Literatur und Computerspiele übersetzt) berichtet auf ihrem Blog Die Wortspielerin darüber, wie bei ihr die Übersetzung eines Romans abläuft. Bei mir sieht das ganz ähnlich aus, nur dass mir die Lektorinnen noch nicht die Bude mit Anfragen einrennen. Die zu übersetzenden Romane lese ich auch nicht immer vor Beginn der Übersetzung. Bei Sachen, die sprachlich etwas nervig oder anstrengend sein können (wie z. B. Captain Future), trägt die Neugier darauf, wie es weitergehen soll, einen deutlich Motivationsschub bei, um konsequent weiterzuarbeiten. Die lektorierte Fassung und/oder die Korrekturfahnen bekomme ich auch nicht von allen Verlagen vor Publikation zu Gesicht. Was in Ordnung ist, wenn ich es vorher weiß und mich darauf einstellen kann. Bevor ich einen Auftrag annehme, schaue ich mir das zu übersetzende Buch aber auf jeden Fall an, damit ich auch weiß, worauf ich mich da einlasse. Anders ist es auch schwierig, abzuschätzen, wie lange man für die Übersetzung (je nach Schwierigkeitsgrad) brauchen wird und ob das Honorar auch für den Aufwand angemessen ist. […]

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  2. Hallo =)
    bin durch Zufall über deine Seite gestolpert und bin positiv überrascht. Der Beruf einer Übersetzerin klingt sehr interessant und vielseitig! Vor allem Bücher zu übersetzen muss spannend sein 🙂 Viel Erfolg noch weiterhin!

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