Spieleübersetzungen – der optimale Fall

Wie läuft eigentlich die Übersetzung eines Spiels ab (ich werfe hier mal PC-, Konsolen und mobile Spiele in einen Topf, da sich das Ganze nicht grundlegend unterscheidet)?

Fangen wir mal mit dem optimalen Fall an, was bedeutet, dass ich es mit einem Direktkunden oder einer der wenigen gut organisierten Agenturen zu tun habe und dass ich alleine oder nur mit einem anderen Übersetzer, mit dem ich mich direkt austauschen kann, an diesem Job arbeite.

Der Auftrag trudelt bei mir ein, Deadline und Preis sind ausgehandelt und es geht ans Übersetzen. Im Allgemeinen bekomme ich die Texte als Word- oder Exceldateien, und da wir hier vom optimalen Fall ausgehen, gibt’s dazu noch haufenweise Referenzmaterial, in dem das Setting und die Charaktere beschrieben werden und zahlreiche Spielinfos zu finden sind.

Sollte ich eine Betaversion bekommen, was leider nur sehr selten vorkommt, dann mache ich mich erst einmal mit dem Spiel vertraut. Dabei kommt es natürlich auch darauf an, wie weit das Spiel in dieser Betaversion schon entwickelt ist. Ich habe schon Versionen angespielt, die so frühe Betas waren, dass man nicht wirklich viel Hilfreiches erkennen konnte, aber auch schon Zugang zu einem bereits zugänglichen MMORPG erhalten, das nun doch noch ins Deutsche übersetzt werden sollte und das ich stundenlang (bezahlt!) gründlich antesten durfte, bevor es losging …

Danach mache ich mich ans Übersetzen und erstelle nebenbei ein Glossar, um nicht den Überblick zu verlieren (oft bearbeite ich die Dateien mit einem „Translation Memory“ wie Trados oder MemoQ, da die Konkordanzsuche auf diese Weise einfacher wird und man schneller etwas wiederfindet und konsistenter arbeitet). Jetzt ist es natürlich sehr hilfreich, wenn man Zugriff auf das Spiel und gut dokumentierte Dateien hat, damit man auch weiß, was man da gerade übersetzt, wie ein Gegenstand beispielsweise aussieht oder wer bei Dialogen gerade mit wem spricht (duzen oder siezen/ihrzen? Eine oder mehrere Personen? Das englische „you“ ist da leider nicht sehr hilfreich …). Ich hatte beispielsweise mal bei der Übersetzung eines Actionspiels das komplette „Drehbuch“ und damit bei den Dialogen jederzeit ein Bild vor Augen, was gerade im Spiel passiert – besser geht’s nicht! Wenn ich zusammen mit einem anderen Übersetzer an dem Projekt sitze, nutzen wir Google Docs, auf die nur wir zugreifen können, und sprechen uns regelmäßig per Skype oder Telefon und E-Mail ab, damit auch alles einheitlich wird.

Meist werden als Erstes Itemlisten, Namen von Gebäuden, Orten etc. und ähnlich elementare Dinge übersetzt, die dann später in den Onscreens (also den ganzen Bildschirmtexten wie beispielsweise Questtexte, Anweisungen, UI usw. usw.) und Dialogen wieder auftauchen werden. Zu guter Letzt kommt dann noch das Handbuch.

Dank guter Referenzen und einem Kontakt, den man bei Fragen löchern kann (und von dem man auch hilfreiche Antworten bekommt, dazu mehr im „Worst Case“), hat man am Ende eine runde, stimmige Übersetzung, die an den Kunden zurückgeht, damit die Texte eingegeben und die Dialoge eingesprochen werden können. Wenn man dann Monate später ein Belegexemplar in den Hände hält und die deutsche Version aus der eigenen Feder anspielt, dann ist das schon ein verdammt gutes Gefühl 🙂

Ein Gedanke zu “Spieleübersetzungen – der optimale Fall

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